Mit den richtigen Fragen zum Projekterfolg

Heute stelle ich Ihnen ein Wundermittel vor, mit dem Sie in Projekten viel Energie, Zeit und Geld sparen. Gleichzeitig motiviert es Ihre Mitarbeiter. Die Anwendung des Wundermittels hat sehr viel mit dem Buchstaben W wie Wunder zu tun. Das Beste daran: Es kostet nichts und Sie kennen es alle.

Das Wundersame an diesem Wundermittel ist allerdings, dass es trotzdem zu selten eingesetzt wird. Wenn Sie sich jetzt wundern und fragen, was das sein könnte, sind Sie der Antwort schon sehr nahe.

Ich gebe Ihnen noch ein paar Tipps:

  • Wie kommen Sie am effektivsten an Informationen?
  • Wie erfahren Sie am schnellsten, was andere Menschen denken?
  • Wie finden Sie am schnellsten Lösungen?

Die Antwort auf alle diese Fragen lautet: Fragen.

Und die beginnen oft mit wo, wie, wann oder wer. Vielleicht sind Sie jetzt über diese simple Antwort enttäuscht, nachdem ich Ihnen den Mund mit allerlei Wunderversprechungen wässrig gemacht habe. An dieser Stelle könnten Sie spaßeshalber auf das Thema einsteigen und fragen: „Wie kommen Sie darauf, diese Methode als Wundermittel zu bezeichnen?“. Sie könnten aber auch gelangweilt denken „Weiß schon, offene Fragen stellen“ und aufhören zu lesen. Sind Sie sich ganz sicher, dass Sie alle meine Argumente kennen? Das ist zwar etwas manipulativ, aber mit dieser Frage bringe ich Sie immerhin dazu, Ihren Standpunkt zu hinterfragen. Vielleicht lautet die so provozierte Antwort „Naja, eigentlich bin ich mir nicht sicher“ – und Sie lesen doch weiter.

Aus dem W-Vollen schöpfen

Geschriebener Text schränkt die Möglichkeiten, das Wundermittel einzusetzen, leider etwas ein. Darum stellen Sie sich bitte ein persönliches Gespräch vor. In diesem Fall könnte ich aus dem W-Vollen schöpfen. Wenn Sie mir zu verstehen geben, dass Sie sich selbst schon mit dem Thema befasst haben, dann werde ich Sie beispielsweise fragen: „Das freut mich. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?“ oder „Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung empfehlen?“. Jetzt habe ich die Chance, etwas von Ihnen zu lernen.

Gleichzeitig spare ich Energie und Überzeugungsarbeit, weil ich einfach nur zuhöre. Ich werde mir auch Kommentare wie „Kenn‘ ich schon“ verkneifen. Im Gegenteil, ich werde Ihre Aussagen durch Rückmeldungen wie „interessant“ oder „Da stimme ich Ihnen zu“ unterstreichen. Mein Ziel ist es ja nicht, Ihnen zu beweisen, dass ich der Schlauere bin, sondern dass Fragen ein echtes Wundermittel sind. Und das funktioniert am besten, wenn Sie sich vor allem selbst überzeugen. Durch interessiertes Nachfragen kann ich Ihnen dabei helfen, neue interessante Aspekte zu entdecken.

Was tue ich nun, wenn ich eine andere Meinung habe? Statt Geschütze wie „Ja aber…“ oder „Nein, das kann nicht sein, weil…“ aufzufahren, um Sie rhetorisch abzuwürgen, ist es erheblich nützlicher, die Hintergründe Ihrer Darstellung durch Fragen herauszufinden. Falls Sie doch auf dem falschen Dampfer sitzen, kommen Sie vielleicht durch den Versuch, meine Fragen zu beantworten, selbst dahinter.

Ich spare mir dann die anstrengende Prozedur der Gegenargumentation. Dann werde ich uns beide dazu beglückwünschen, dass wir unser Wissen gemeinsam bereichert haben (und genauso ist es auch). Sollte ich derjenige sein, der in die falsche Richtung dampft, kann ich dazulernen, ohne mir eine Blöße zu geben.

Mund halten und zuhören

Zwei Verhaltensweisen sind für den Erfolg meiner Fragen besonders wichtig. Erstens halte ich den Mund, um Ihnen Zeit zum Nachdenken zu geben. Als Gefragter haben Sie es nämlich nicht leicht: Sie denken nun zuerst über meine Frage und dann über Ihre Antwort nach. Wenn ich, während Sie grübeln, die Frage selbst beantworte oder noch eine Frage hinterher schieße, habe ich alles verdorben. Ich zähle also im Kopf mindestens bis 5, um diese Falle zu vermeiden.

Zweitens zeige ich Ihnen, wenn Sie antworten, durch Augenkontakt, Nicken, kurze Rückmeldungen und Verständnisfragen mein Interesse. Aktives Zuhören ist die beste Gewähr dafür, dass mir nichts Wichtiges entgeht. Gleichzeitig empfinden es die meisten Menschen als Ausdruck großer Wertschätzung. So gewinne ich durch Fragen und Zuhören Ihre Sympathie.

Das Wunder vollzieht sich also in drei Schritte: Fragen, Warten, Zuhören.

Ich beende diesen kurzen Ausflug in die Welt der W-Wunder, wie auch sonst, mit einer Frage: Haben Sie Interesse an einer kompakten Übersicht zu hilfreichen Fragetechniken? Die bieten wir Ihnen hier zum Download an.

Weiterführende Info

Denkanstöße – Kolumne von Peter Siwon rund um die menschliche Seite der Projektarbeit

Weiterbildung – MicroConsult Training & Coaching zu Projektmanagement und Softskills

Veröffentlicht von

Peter Siwon

Peter Siwon

Dipl.-Ing. Peter Siwon ist freier Mitarbeiter bei MicroConsult. Er lernte die Projektarbeit im Laufe seiner beruflichen Entwicklung aus vielen Perspektiven kennen: Forschung, Entwicklung, Projektleitung, Vertrieb, Marketing und Geschäftsführung. Seit 2008 gibt er sein Wissen und seine Erfahrungen als Trainer, Coach, Lehrbeauftragter und Autor von Vorträgen, Kolumnen, Fachartikeln und Büchern weiter. Seine Vorträge und Seminare wurden bereits mehrfach ausgezeichnet. Sein Themenspektrum umfasst klassische, agile und systemische Projektmanagement-Ansätze, Kommunikation, Führung, Teamentwicklung und Konfliktlösung im Projektumfeld. Die vielen Fallbeispiele aus der Praxis seiner Kunden und Kundinnen sowie seine aktive Mitwirkung in Projekten liefern ihm immer wieder neue Impulse und Erkenntnisse für seine Tätigkeit. Darüber hinaus erweitert Peter Siwon sein Wissen durch regelmäßige Aus- und Weiterbildung - gerne blickt er dabei über den Tellerrand. Aus der Überzeugung heraus, dass die Projektarbeit maßgeblich durch menschliche Faktoren beeinflusst wird, gilt sein besonderes Interesse der menschlichen Seite des Projekterfolgs. Mehr Informationen zu Peter Siwon und Kundenmeinungen zu seiner Arbeit finden Sie unter www.systemisches-projektmanegment.info.