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Denkanstöße 15 - Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Tatsachen: In den letzten Monaten kam ich, wen wundert es, vermehrt mit Menschen in Kontakt, die, wenn sie ein wenig Glück im Unglück hatten, in einer Beschäftigungsgesellschaft oder, wenn sie Pech im Unglück hatten, auf der Straße landeten. Es handelte sich dabei um hochqualifizierte Fachkräfte aus der Industrie, die unverschuldet in den Strudel der Wirtschaftkrise gerieten oder dem Streben nach Synergie zum Opfer fielen.

Es gibt so herrliche Begriffe, mit denen man den Abbau von Arbeitsplätzen umschreiben kann: Synergie, Performancesteigerung, Verschlankung, Konzentration auf das Kerngeschäft, usw. Ich könnte jetzt in das allgemeine Wehklagen und Schimpfen über die verkommenen Sitten und die fehlende Moral in den Managementetagen einstimmen, doch ich werde jetzt ganz fies auf die losgehen, die sich nicht wehren wollen: die Opfer.

Die Rolle des Opfers hat ihre Vorteile. Opfer dürfen Verantwortung und Handeln an andere abgeben, z.B. an Politiker, Gewerkschaften oder Ämter. Sie dürfen Ausgleich für das Unrecht fordern, das ihnen angetan wurde, und sich als moralische Sieger fühlen. Das ist doch praktisch! Für die Täter, unter die ich mich mit dieser Kolumne einreihe, ist es auch praktisch. Opfer wehren sich nicht, sonst würden sie ja ihre Rolle verlassen. Das nenne ich Synergie.

Zum Opfer wird man nicht gemacht, sondern man macht sich zum Opfer. Beispielsweise wenn man die Verantwortung für die Erhaltung des Arbeitsplatzes und die Weiterbildung anderen überlässt - der Personalabteilung, dem Chef, der Beschäftigungsgesellschaft, dem Arbeitsamt. "Wir haben jahrelang mit einer veralteten Technologie entwickelt und jetzt will uns keiner einstellen", war das Lamento einiger unserer Kursteilnehmer, die nun verzweifelt versuchen, den Weg aus der Beschäftigungsgesellschaft in einen neuen Job zu finden. Für Weiterbildung war entweder keine Zeit oder kein Geld vorhanden. Wenn Unternehmen Zeit und Geld für Weiterbildung als Opfer sehen, werden sie und ihre Mitarbeiter selbst zu Opfern. Wo am Wissen gespart wird, lässt sich auch bald der Arbeitsplatz einsparen. Wer aber Zeit und Geld in Wissen investiert, der gewinnt damit auch Selbstvertrauen. Wer bereit ist, für sein Recht auf Ausbildung und Weiterbildung zu kämpfen, der setzt sich auch eher beherzt für Qualität und Innovation ein.

Die Bereitschaft, die Mitarbeiter zu fördern, ist ein guter Gradmesser für das Potenzial, das Unternehmen in ihren Mitarbeiter erkennen. Die Entschlossenheit der Mitarbeiter, Förderung zu fordern, spiegelt Eigenverantwortung, Gestaltungsbereitschaft und Innovationswillen wieder. Wie so oft ist nicht die Maßnahme selbst sondern die Haltung, die sie treibt, entscheidend für den Erfolg. Meine Beobachtungen im Bereich der Weiterbildung zeigen, dass der Abbau von Weiterbildung der Anfang vom Ende vieler Unternehmen ist.

Nur scheinbar haben wir es dabei mit dem berühmten Henne-Ei-Problem zu tun, denn die Reihenfolge von Unwissenheit, Unfähigkeit und Zahlungsunfähigkeit ist eindeutig. Häufig beginnt das Problem mit dem Irrglauben, ernten zu können ohne zu säen, in Verbindung mit dem mangelnden Mut der Mitarbeiter, für ihre Weiterbildung zu kämpfen. Hier gilt in Abwandlung eines alten Sprichworts: Lerne in guten Zeiten, dann hast Du in der Not.

In Krisenzeiten wird es noch schwieriger, oder es ist schnell zu spät. Nein! Es ist nie zu spät, dazuzulernen und kreative Wege dafür zu suchen. Weiterbildung in der Kurzarbeit ist in höchstem Grade wirtschaftlich. In Krisenzeiten lässt sich gut mit Weiterbildungsunternehmen verhandeln. Warum nicht selbst Geld in Weiterbildung investieren?

Wie wäre es, wenn Sie einen Teil Ihres Urlaubs für Weiterbildung opfern? Oh, entschuldigen Sie bitte, ich meinte INVESTIEREN. Ich weiß, das wirkt auf den einen oder anderen wie ein Tabubruch. Doch Unwissenheit durch Untätigkeit schützt vor Strafe, sprich Jobverlust und verminderte Job-Chancen, nicht. Es gibt keine wirklichen Opfer in der Weiterbildung, nur Un-Täter.

Schluss damit! Werden Sie zum Täter und Mitwisser im Interesse Ihrer Zukunft!

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Ich freue mich über Ihre Denkanstöße unter denkanstoss@microconsult.de.

Peter Siwon

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