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Denkanstöße 9 - Typen gibt's!

Gunter Dueck, Mathematiker und Querdenker bei IBM, hat diese Klassifizierung in seinem Buch "Omnisophie" (Kunstwort, das so viel wie allumfassende Weisheit bedeutet) vorgeschlagen. Was mich als Gehirnfreak daran überzeugt, ist, dass sich die Eigenschaften dieser Typen sehr gut auf die Fähigkeiten unseres Gehirns abbilden lassen: intuitives Denken, analytisches Denken und Steuerung von praktischem Handeln.

Der "Wahre" nutzt vor allem die Intuition und das ganzheitliche Denken. Der "Richtige" bevorzugt analytisches Denken. Der "Natürliche" wird schließlich durch Lust am Handeln dominiert.

Der "Wahre" lebt für gute Ideen und geniale Visionen, die nicht selten etablierte Paradigmen und Regeln über den Haufen werfen. Er sieht das große Ganze und übersieht dabei gerne Details. Er hinterlässt den "Richtigen" und "Natürlichen" die Suppe, die er genüsslich eingebrockt hat, zum Auslöffeln. Die sehen ihn als Traumtänzer, Prophet oder Revoluzzer.

Der "Richtige" bevorzugt feste Regeln, klare Strukturen und definierte Prozesse. Er setzt sich vehement für Softwaremetriken, MISRA C, IEEE, CMMI, SPICE und Prozessmodelle ein. Die "Wahren" und "Natürlichen" nennen ihn genervt Bürokrat, Pedant oder Erbsenzähler.

Zu guter Letzt der "Natürliche". Er liebt die Rolle des Machers oder Helden. Wenn andere längst verzweifelt die Flinte ins Korn geworfen haben, hat er immer noch ein paar Kniffe und Tricks auf Lager. Er holt das Letzte aus jedem Compiler und RTOS heraus und sein Experimentierdrang scheut kaum ein Risiko. Ist die Herausforderung genial gemeistert, hinterlässt er den anderen das Schlachtfeld, damit sie die weniger ehrenvollen Aufgaben wie Dokumentation erledigen. "Richtige" und "Wahre" nennen ihn mit einem abfälligen Unterton "Praktiker" oder weniger diplomatisch Hacker oder Softwarechaot.

Natürlich gibt es diese Typen nicht in Reinkultur, und diese Art der Typisierung ist eine von vielen. Meiner Erfahrung nach weisen jedoch die meisten Menschen klare Tendenzen auf. Konflikte zwischen den unterschiedlichen Typen liegen in der Natur der Sache. Doch welcher Typ Sie auch immer sind, Sie werden die anderen brauchen. Monokulturen sind todlangweilig und tödlich. Ohne "Richtige" keine Ordnung, ohne "Wahre" keine bahnbrechenden Ideen und ohne "Natürliche" kein Ausweg aus Projektkrisen.

Jeder Typ braucht im Team seinen Raum und seine Grenzen. Die Chancen der einen beruhen auf den Fähigkeiten der anderen. Klare Strukturen und Prozesse erschließen zeitliche und finanzielle Freiräume, die für Innovationen genutzt werden können. Innovationen schaffen neue Herausforderungen für Organisatoren und Macher. Die Macher erwecken Ideen auch unter widrigen Verhältnissen zum Leben. Die Grenzen der "Richtigen" sind dort, wo sie die Macher am Machen hindern und den Visionären  jeden kreativen Freiraum nehmen. Die Grenzen der "Wahren" sind dort, wo Traumschlösser auf Sand gebaut werden, und die Grenzen der "Natürlichen" dort, wo die pure Lust am Tun ins Chaos führt.

Der Konsens dieser Typen im Sinne eines gemeinsamen Zieles ist die wichtigste Basis für den Projekterfolg. Die Erkenntnis, dass das Optimum nicht in der Durchsetzung von Einzelpositionen, sondern im Ausgleich der Interessen liegt, macht aus einer Ansammlung von Typen ein schlagkräftiges Team.

Typen-Dreieck

Wo befindet sich Ihr Ich, wenn Sie an Ihre bevorzugte Rolle in Projekten denken?

Betrachten Sie doch einfach Ihren nächsten Projektkonflikt durch diese Typenbrille und erkennen Sie die großen Chancen, die der Wille zum fairen Konsens bietet.

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Ich freue mich auf Ihre Denkanstöße unter denkanstoss@microconsult.de.

Peter Siwon

 

Test: Welcher Typ sind Sie?

Gerade, wenn ein Projekt in der Krise steckt, prallen Typen, Weltbilder und Ideologien aufeinander, weil die Freiräume enger und die Abhängigkeiten größer werden. Diese Situationen sind eine große Chance, um mehr über sich und andere zu lernen. Konflikte und Krisen sind die Keimzellen von Reifeprozessen für Menschen und Teams.

Vergeben Sie Punkte:

0 = nie, 1 = kaum, 2 = ab und zu, 3 = sehr oft, 4 = immer

A)   Ich brauche Fakten, um Entscheidungen zu fällen
B)   Ich vertraue auf meinen Instinkt
C)   Bevor ich lange rumrede, probiere ich es aus
A)   Bei mir hat alles seine Ordnung
B)   Ich liebe das kreative Chaos
C)   Ich spüre gerne, wie etwas unter meinen Händen entsteht
A)   Erfolg ist das Ergebnis harter Arbeit
B)   Erfolg ist das Ergebnis genialer Ideen
C)   Erfolg kommt mit dem Spaß an der Arbeit
A)   Das Wichtigste am Projekt ist die Planung
B)   Das Wichtigste am Projekt ist das Ziel
C)   Das Wichtigste am Projekt ist gute Zusammenarbeit
A)   Ich betreibe Risikomanagement
B)   Ich merke, wenn es brenzlig wird
C)   Ich beweise gerne meine Fähigkeiten in schwierigen Situationen
A)   Ich bevorzuge klare Anweisungen und Regeln
B)   Ich brauche kreativen Freiraum
C)   Der Zweck heiligt die Mittel
A)   Meine Kollegen schätzen meine Zuverlässigkeit
B)   Meine Kollegen schätzen meine Einfälle
C)   Meine Kollegen schätzen mein entschlossenes Handeln
A)   Ein erfolgreicher Unternehmer ist ein kühler Rechner
B)   Ein erfolgreicher Unternehmer ist ein Visionär
C)   Ein erfolgreicher Unternehmer ist ein Macher

Summe A:

Summe B:

Summe C:

Auswertung:

Der "Wahre" weiß ohnehin schon, welcher Typen er ist und hat deshalb den Test schnell abgehakt.
Der "Natürliche" hat sich beim Beantworten amüsiert und ist neugierig auf das Ergebnis.
Der "Richtige" hat sich über die Fragen den Kopf zerbrochen und wird, wenn das Ergebnis nicht seinen Erwartungen entspricht, die Fragestellung analysieren und in Zweifel ziehen. Dummerweise ist der Frager ein "Wahrer", für den die Idee mehr als akribische Formulierung zählt.

Wer die meisten Punkte bei A gesammelt hat, ist tendenziell "richtig", bei B "wahr" und bei C "natürlich".

Ich überlasse es Ihnen, die Zahlenkombinationen weiter zu interpretieren.

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