{"id":7801,"date":"2025-11-29T06:11:18","date_gmt":"2025-11-29T05:11:18","guid":{"rendered":"https:\/\/web-dev-weissblau.de\/microconsult\/?p=7801"},"modified":"2026-02-13T10:40:40","modified_gmt":"2026-02-13T09:40:40","slug":"revolution-of-automotive-software-architectures","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.microconsult.de\/en\/revolution-der-automotive-software-architekturen\/","title":{"rendered":"(R)Evolution of Automotive Software Architectures"},"content":{"rendered":"<h2>Wie neue SW-Technologien die Automobilindustrie ver\u00e4ndern<\/h2>\n<p>Autoren: Dr.-Ing. Detlef Zerfowski, Niranjan SK, Robert Bosch GmbH Automotive System Integration (C\/AIS)<\/p>\n<h3>Beitrag &#8211; Embedded Software Engineering Kongress 2017<\/h3>\n<p><strong>Die gesamte Automobilindustrie wird aktuell mit dramatischen technologischen \u00c4nderung konfrontiert. Diese Ver\u00e4nderungen ergeben sich durch den Einzug v\u00f6llig neuer elektrischer und elektronischer Architekturen (E\/E-Architekturen) und damit einhergehend v\u00f6llig neuen SW-Architekturen.<\/strong><\/p>\n<h2>Ausl\u00f6ser f\u00fcr \u00c4nderungen der Automotive-SW-Architekturen<\/h2>\n<p>Die gesamte Automobilindustrie wird aktuell mit dramatischen technologischen \u00c4nderung konfrontiert. Diese Ver\u00e4nderungen ergeben sich durch den Einzug v\u00f6llig neuer elektrischer und elektronischer Architekturen (E\/E-Architekturen) und damit einhergehend v\u00f6llig neuen SW-Architekturen. Schl\u00fcsseltreiber dieser Entwicklung sind insbesondere die Folgenden:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcbergang von \u00b5-Controller-basierten, klassischen embedded Steuerger\u00e4ten hin zu \u00b5-Prozessor-basierten bzw. Cloud-basierten L\u00f6sungen<\/li>\n<li>\u00dcbergang von regelungsbasierten Algorithmen hin zu datengetriebenen Algorithmen (Artificial Intelligence, Bildverarbeitung, Datenfusion, Connectivity)<\/li>\n<li>Losl\u00f6sung der SW im Fahrzeug von der darunterliegenden Hardware<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fr\u00fcher konnten Fahrzeuge softwareseitig als &#8222;geschlossene Systeme&#8220; betrachtet werden, die nach Auslieferung in die Serie nur unter besonderen Bedingungen (d.h. in den Werkst\u00e4tten) ge\u00e4ndert werden konnten.\u00a0 Heute sind moderne Fahrzeuge eher Teile des Internet der Dinge.\u00a0 Diese Entwicklung f\u00fchrt zu g\u00e4nzlich anderen Architekturtreibern als in der Vergangenheit und hat unmittelbare Auswirkungen auf die SW-Architekturen in der Automobilindustrie.<\/p>\n<h2>\u00b5-Controller-basierte ECUs und ihre Architekturtreiber<\/h2>\n<p>Seit der Einf\u00fchrung des ABS f\u00fcr PKW im Jahr 1978 sind in den vergangenen Jahrzehnten sukzessive eine gro\u00dfe Anzahl elektronischer Steuerger\u00e4te (Electronic Control Units, ECU) ins Fahrzeug eingef\u00fchrt worden. In heutigen Premiumfahrzeugen werden mittlerweile um die 100 Steuerger\u00e4te der unterschiedlichen Tier 1 Lieferanten verbaut.<\/p>\n<p>\u00dcber die vergangenen Jahrzehnte haben sich diese Komponenten iterativ im Rahmen der OEM-spezifischen E\/E-Architekturen im Fahrzeug weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Aus der Sicht eines Tier 1 Zulieferers wie Bosch werden die ECU-spezifischen Architekturen in einem Umfeld wie in Abb\u00a0<em>1<\/em>\u00a0entwickelt. Der OEM besitzt die Hoheit \u00fcber das Fahrzeug und dessen E\/E-Architektur. Entsprechend der E\/E-Architektur werden die Funktionen den jeweiligen ECUs zugeordnet (Function Deployment). Hieraus werden die ECU-Spezifikationen und Schnittstellen abgeleitet, die dann dem Tier 1 als Lastenheft zur Verf\u00fcgung gestellt werden.<\/p>\n<p>Der Tier 1 bewegt sich pro Produktsegment in einem \u00e4hnlichen Kontext mit mehreren OEMs und optimiert sich \u00fcber entsprechende Hardware-Plattforml\u00f6sungen. In dieser Situation legen die Hardwarekomponenten die wesentlichen Architekturtreiber f\u00fcr die Software fest.<\/p>\n<p>(siehe Abb.1,\u00a0<a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>)<\/p>\n<p>Dieses Zusammenarbeitsmuster ist in den unterschiedlichen Anwendungsdom\u00e4nen (Body Electronic, Powertrain, Chassis und Infotainment) wiederzufinden (siehe\u00a0<a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\">PDF<\/a>, Abb.\u00a0<em>2<\/em>). Es gibt jedoch erhebliche Unterschiede (Prozesse, Methoden und Tools) darin, wie die Produkte in den einzelnen Bereichen entwickelt werden. Somit unterscheiden sich die Architekturans\u00e4tze in den Bereichen erheblich. W\u00e4hrend es beispielsweise bei Motorsteuerger\u00e4ten mit einer \u00fcberschaubaren Anzahl von Hardwareplattformen eine extrem hohe Software-Variantenanzahl gibt, variiert bei Body Computern die Hardware deutlich mehr, was dazu f\u00fchrt, dass SW-Komponenten f\u00fcr eine breitere Verwendung hardwareunabh\u00e4ngiger entwickelt werden m\u00fcssen. Hieraus entwickelten sich AUTOSAR-Ans\u00e4tze f\u00fcr \u00b5-Controller-basierte Basissoftware-Stacks.<\/p>\n<p>Die \u00b5-Controller-Technologie gibt restriktive Vorgaben an verf\u00fcgbarem Speicher und Rechenlaufzeit vor. Eine moderne Motorsteuerger\u00e4t-Software muss sich mit bescheidenen 8 MB Speicher begn\u00fcgen. F\u00fcr die Software resultiert das in einer speicheroptimierten Architektur, was zwangsl\u00e4ufig zu Lasten der Wartbarkeit geht.<\/p>\n<p>Dynamische Speicherallokierung ist aus Gr\u00fcnden der knappen Ressourcen und aus Sicherheitsgr\u00fcnden ebenfalls zu vermeiden.<\/p>\n<p>Um die deterministischen Laufzeitanforderungen (auch im Hinblick auf die Funktionale Sicherheit) einhalten zu k\u00f6nnen, kommen Realzeitbetriebssysteme zum Einsatz, die \u00fcber deterministisch vergebene Zeitscheiben die Rechnerleistung auf die unterschiedlichen Tasks aufteilen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kommen statische Kommunikationsstrukturen (auf Fahrzeugebene definierte CAN-Kommunikationsmatrizen, die zur Entwicklungszeit feststehen) zum Einsatz, die einerseits die Systeme weniger anf\u00e4llig gegen\u00fcber Angriffen von Hackern machen, andererseits jedoch flexible Service-orientierte Anwendungen nicht unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Des Weiteren wird den beschr\u00e4nkten Rechner-Ressourcen dadurch Rechnung getragen, dass implementierte Algorithmen h\u00e4ufig mit quantisierten Zahlen in Integer-Arithmetik gerechnet werden.<\/p>\n<p>Die aufgef\u00fchrten Architekturtreiber schr\u00e4nken den L\u00f6sungsraum f\u00fcr SW-Architekturen erheblich ein.<\/p>\n<p>Auch die in Abb.\u00a0<em>2<\/em>\u00a0(s.\u00a0<a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>) gezeigte, sich \u00fcber mehrere Jahre bei OEMs und Tier 1 entwickelte Dom\u00e4nenaufteilung stellt implizit einen wesentlichen Architekturtreiber dar \u2013 die Verteilung der ECU-Komponenten (und damit der in ihnen liegenden Software) auf die unterschiedlichen Dom\u00e4nen!<\/p>\n<p>Wir haben es hier mit einem Fall von \u201eConway\u2019s Law\u201c [1] zu tun:\u00a0<em>\u201e\u2026organizations which design systems (in the broad sense used here) are constrained to produce designs which are copies of the communication structures of these organizations.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Architekturen folgen den Organisationsstrukturen. Solange Aufgabenstellungen nur innerhalb der existierenden Organisationsstrukturen bearbeitet werden m\u00fcssen, funktioniert dies gut. Wenn jedoch Problemstellungen auftauchen, die quer zu oder au\u00dferhalb von vorhandenen Strukturen liegen, lassen sich h\u00e4ufig keine geeigneten Architekturen etablieren. Organisatorische \u00c4nderungen sind die notwendige Folge.<\/p>\n<p>In den nachfolgenden Abschnitten werden wir darauf eingehen, dass diese Entwicklung in der Automobilindustrie aktuell stattfindet. Zusammengefasst ergeben sich f\u00fcr die \u00b5-Controller-basierten Systeme folgende (nicht vollst\u00e4ndigen) SW-Architekturtreiber, die durch neue, in die Automotive-Welt eindringende Technologien gleichzeitig in Frage gestellt werden.<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"198\"><strong>Architekturtreiber<\/strong><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"368\"><strong>Auswirkung auf SW-Architektur<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"198\">\u00b5-Controller-Hardware:<\/p>\n<p>begrenzter Speicher<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"368\">Speicheroptimierte Software<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"198\">\u00b5-Controller-Hardware:<\/p>\n<p>begrenzte Laufzeit<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"368\">Fokus auf regelungsbasierte Algorithmen (nahe an der Physik des Fahrzeugs)<\/p>\n<p>Deterministische Laufzeitbedingungen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"198\">Organisationstrukturen nach Anwendungsdom\u00e4nen<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"368\">L\u00f6sungsraum f\u00fcr SW wird auf dom\u00e4nenspezifische Hardware-L\u00f6sungen eingeschr\u00e4nkt. ECUs werden zusammen mit der Software vertrieben.<\/p>\n<p>Dom\u00e4nen\u00fcbergreifende L\u00f6sung nur schwer umsetzbar.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"198\">Statische Kommunikationsstruktur (CAN-Matrix)<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"368\">Datenfl\u00fcsse k\u00f6nnen nicht bzw. nur mit hohem Aufwand und hohen Kosten ge\u00e4ndert werden. Datentransferraten liegen im unteren MBit\/Sekunde-Bereich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"198\">Eingeschr\u00e4nkte Updatef\u00e4higkeit<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"368\">Software-Updates in erster Linie zur Fehlerbehebung und nicht vorrangig zum Hinzuf\u00fcgen neuer Funktionen<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>\u00b5-Prozessor-basierte Computer erobern das Fahrzeug<\/h2>\n<p>Im vorherigen Abschnitt haben wir das Umfeld beschrieben, in dem sich die Automobilsoftware in den vergangenen Jahrzehnten iterativ weiterentwickelt hat. Die zunehmende Vernetzung des Automobils inklusive seiner Komponenten sowie die Einf\u00fchrung der \u00b5-Prozessor-Technologie im Fahrzeug f\u00fchren aktuell zu einer disruptiven \u00c4nderung der Automobilsoftware.<\/p>\n<p>Dabei ist zu bemerken, dass die Infotainment-Anwendungen bereits seit Jahren auf \u00b5-Prozessor-basierten Systemen mit Linux-Betriebssystemen arbeiten. Damit sind einige der Aussagen in den nachfolgenden Abschnitten nur in Teilen f\u00fcr die Infotainment-Dom\u00e4ne zutreffend. Aufgrund der geringeren Anforderungen bez\u00fcglich Funktionaler Sicherheit und deutlich geringeren Realzeitanforderungen entwickelten sich die Infotainment-Anwendungen separat von den Embedded-Anwendungen. Mit der Integration von Anwendungsfunktionen unterschiedlicher Dom\u00e4nen auf gemeinsamen Fahrzeugrechnern laufen die bisherigen Entwicklungswege wieder verst\u00e4rkt aufeinander zu.<\/p>\n<h2>Anstieg der Rechner-Ressourcen<\/h2>\n<p>Der offensichtlichste Effekt bei der Einf\u00fchrung der \u00b5-Prozessoren liegt in den verf\u00fcgbaren h\u00f6heren Rechner-Ressourcen. W\u00e4hrend einem modernen Motorsteuerger\u00e4t ein Speicher von bis zu 8 MB zur Verf\u00fcgung steht (in dem neben der Anwendungssoftware auch das Realzeitbetriebssystem und Basis-SW realisiert sind), besitzen die ersten \u00b5-Prozessor-basierten Systeme 8 GB Speicher (SOP 2020) und Nachfolgesysteme 128 GB (SOP 2023). Obwohl dies aus Sicht der Consumer-Elektronik immer noch gering erscheint, hat dieser Zuwachs um einen Faktor von 1000 (SOP 2020) bzw. 16000 (SOP 2023) Auswirkungen, die \u00fcber die reine Verf\u00fcgbarkeit des Speichers weit hinausgehen.<\/p>\n<p>Die fr\u00fcher vorhandene Trennung der dom\u00e4nenspezifischen Software auf dedizierte Steuerger\u00e4te entf\u00e4llt, da zuk\u00fcnftige Fahrzeugrechner unterschiedlichste Fahrzeugfunktionen auf einem Rechner darstellen k\u00f6nnen. Speicheroptimierte SW-Designs und Implementierungen werden durch SW-Architekturen abgel\u00f6st, die insbesondere die Unabh\u00e4ngigkeit von der Hardware und somit Portabilit\u00e4t im Fokus haben. Hieraus folgt, dass sich die Anwendungssoftware von der darunterliegenden Hardware l\u00f6st und somit auf Rechnern einer anderen Anwendungsdom\u00e4ne ablaufen kann. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die bisher etablierten Gesch\u00e4ftsmodelle und Entwicklungsorganisationen. (siehe Abb.\u00a0<em>2<\/em>\u00a0im\u00a0<a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>).<\/p>\n<p>Bereiche, die bisher isoliert voneinander komponentenbasierte L\u00f6sungen mit integrierter Software entwickelt und vertrieben haben, m\u00fcssen fortan dom\u00e4nen\u00fcbergreifende SW-L\u00f6sungen entwickeln. Die gro\u00dfe Herausforderung ist dabei Conway\u2019s Law. Die bisher vorhandenen dom\u00e4nenspezifischen und hardwareorientierten SW-Architekturen m\u00fcssen dom\u00fcbergreifenden SW-Architekturen weichen. Diesen stehen jedoch die bisherigen organisatorischen Strukturen entgegen. Als Folge bilden sich aktuell in der Automobilindustrie neue, st\u00e4rker softwareorientierte Organisationsformen heraus. Software-Architekturen und damit auch Software-Architekten gewinnen massiv an Bedeutung und Einfluss auf die Produktentwicklungen.<\/p>\n<p>Neben der Verf\u00fcgbarkeit hoher Speichergr\u00f6\u00dfen erm\u00f6glicht der Anstieg der Rechnerleistung von ~4 kDMIPS (heutige Motorsteuerger\u00e4te) auf ~17 kDMIPS (SOP 2020) bzw. ~300 kDMIPS (SOP 2023) eine Vielzahl neuer Anwendungen, die auf bisherigen Systemen nicht realisierbar sind. Die f\u00fcr \u00b5-Controller h\u00e4ufig notwendige Einschr\u00e4nkung auf Ganzzahlarithmetik entf\u00e4llt, und es halten zunehmend datenorientierte Algorithmen Einzug ins Fahrzeug, bis hin zu Artificial Intelligence (AI) L\u00f6sungen auf Graphical Processor Units (GPU).<\/p>\n<p>Es werden dabei Funktionen realisiert, die sich von Teilfunktionalit\u00e4ten unterschiedlicher Dom\u00e4nen (inklusive Connectivity und Cloud-Diensten) bedienen und sich somit nicht mehr den klassischen Automotive-Dom\u00e4nen zuordnen lassen (siehe\u00a0<a href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF\u00a0<\/a>Abb.\u00a0<em>3<\/em>).<\/p>\n<h2>Beispiel Reibwertkarte<\/h2>\n<p>Ein Beispiel hierf\u00fcr stellt die sogenannte Reibwertkarte dar, die dem Autofahrer \u00fcber eine Internetverbindung in seiner Anzeige Informationen \u00fcber gef\u00e4hrliche Stra\u00dfensituationen (wie Glatteis, Aquaplaning etc.) nahezu in Realzeit zur Verf\u00fcgung stellt.<\/p>\n<p>Das Datenmaterial f\u00fcr diese Reibwertkarte liefern vorausfahrende Fahrzeuge, die mittels der ESP-Funktionalit\u00e4t (Anwendungsdom\u00e4ne Chassis) Informationen \u00fcber den aktuellen Reibwert der Stra\u00dfe erfassen. Diese Information wird \u00fcber ein Gateway (Body Computer Dom\u00e4ne) an den Dienstanbieter in der Cloud geschickt (bisher nicht durch entsprechende Dom\u00e4nen abgedeckt). Die von unterschiedlichen Fahrzeugen bereitgestellten Daten werden vom Dienstanbieter konsolidiert und umgehend an die Fahrzeuge verteilt, die den Reibwertkartendienst abonniert haben. Die Information \u00fcber die unmittelbar vor ihm liegende Gefahrensituation wird dem Fahrer als Warnmeldung und in der Navigationskarte dargestellt (Infotainment-Dom\u00e4ne). Zus\u00e4tzlich kann der Stauassistent aufgrund der Information bereits die Geschwindigkeit des Fahrzeuges verringern (Powertrain-Dom\u00e4ne). Beim Einsatz im Hochautomatisierten Fahren wird die Information das System und damit das Fahrverhalten ohne Einwirkung des Fahrers direkt beeinflussen.<\/p>\n<p>Anhand dieses einfachen Beispiels wird deutlich, dass die funktionale Architektur und damit auch die SW-Architekturen unterschiedliche Rechnerknoten innerhalb der E\/E-Architektur abdecken m\u00fcssen. Dabei sind die E\/E-Architekturen von OEM zu OEM unterschiedlich. Beim SW-Design muss dies ber\u00fccksichtigt und eine starke Abstraktion von der Hardware sichergestellt werden.<\/p>\n<p>(s. Abb. 3\u00a0<a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>)<\/p>\n<h2>Einfl\u00fcsse der Konnektivit\u00e4t<\/h2>\n<p>Im obigen Beispiel wurde ein zus\u00e4tzlicher Aspekt bereits angesprochen. Durch die Konnektivit\u00e4t mit der Cloud entstehen Datenstr\u00f6me ins Fahrzeug und aus ihm heraus, die im klassischen \u00b5-Controller-Umfeld nicht zu bearbeiten waren. Die Bandbreiten der bisherigen Kommunikationsnetzwerke im Fahrzeug (CAN, LIN, FlexRay) sind f\u00fcr den entstehenden Kommunikationsbedarf nicht mehr ausreichend. Aus diesem Grund wird das Ethernet (aktuell 1 GBit\/s) in Fahrzeugen eingef\u00fchrt. Die Erweiterung auf 10 GBit\/s Ethernet ist ebenfalls in Planung.<\/p>\n<p>Diese Bandbreitenerh\u00f6hung erm\u00f6glicht eine enorme Vielfalt neuer Funktionalit\u00e4ten im und um das Fahrzeug herum. Aber auch hier gilt, dass sich die SW-Architekturen hierf\u00fcr grundlegend \u00e4ndern werden. Die bisherige Kommunikation \u00fcber die zuvor genannten statischen und damit deterministischen Kommunikationsprotokolle ist vorteilhaft bei Betrachtungen zur Funktionalen Sicherheit gem\u00e4\u00df ISO26262. Mit der Einf\u00fchrung des Ethernets im Fahrzeug werden Service-orientierte Kommunikationsl\u00f6sungen realisiert werden. Funktionen, die bisher eng an die jeweiligen Kommunikationsschnittstellen angebunden waren, werden zuk\u00fcnftig Daten \u00fcber im Fahrzeug vorhandene Dienste empfangen bzw. Informationen \u00fcber bereitgestellte Dienste zur Verf\u00fcgung stellen. Die verf\u00fcgbaren Dienste k\u00f6nnen sich zur Laufzeit \u00e4ndern bzw. mit unterschiedlichen Qualit\u00e4ten ausgestattet sein. Damit ergeben sich v\u00f6llig neue Ans\u00e4tze f\u00fcr Fallback-L\u00f6sungen.<\/p>\n<h2>Beispiel Verkehrsschildererkennung<\/h2>\n<p>Als Beispiel f\u00fcr eine Service-orientierte Kommunikation nehmen wir die automatische Schildererkennung.<\/p>\n<p>Wir gehen davon aus, dass eine im Fahrzeug vorhandene Kamera die Verkehrssituation und mit ihr auch Verkehrszeichen aufnimmt. Die Software im Fahrzeug detektiert und erkennt die Verkehrsschilder und stellt diese im Navigationsdisplay dar. M\u00f6glicherweise wird der Fahrer informiert, falls seine aktuelle Geschwindigkeit zu hoch ist.<\/p>\n<p>Gehen wir nun davon aus, dass aus irgendeinem Grund (verschmutze Kamera, technischer Defekt der Kamera etc.) die Schilderinformation nicht mehr zur Verf\u00fcgung steht. Anstatt nun keine Information in der Anzeige mehr bereitzustellen, k\u00f6nnen \u00fcber eine Service-orientierte Architektur anstelle der fehlenden Kamerainformation von einem Cloud-Dienst die Daten bzw. die lokalen Schilderinformationen bereitgestellt werden. Diese sind sicherlich von geringerer Qualit\u00e4t, da die Schilderinformationen nicht \u00fcberall tagesaktuell vorliegen.<\/p>\n<p>Selbst wenn die Verbindung zur Cloud nun zusammenbricht, besteht die M\u00f6glichkeit, statische Schilderinformation von dem im Fahrzeug lokal vorhandenen Navigationssystem zu verwenden.<\/p>\n<p>SW-Architekturen, die auf Quality-of-Service-Ans\u00e4tzen aufbauen, sind f\u00fcr solche L\u00f6sungen wesentlich flexibler aufgestellt, da die Funktionen nicht mehr ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen, aus welcher Quelle (auch nicht von welchem Rechner im Fahrzeug) die Daten stammen. Lediglich die Qualit\u00e4t der Daten muss ber\u00fccksichtigt werden. Damit werden diese Funktionen auch leichter auf andere Rechner im Fahrzeug verschiebbar.<\/p>\n<p>Eine wesentliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der sich aktuell in der Entwicklung befindliche Standard AUTOSAR Adaptive, der Standards f\u00fcr Schnittstellen f\u00fcr \u00b5-Prozessor-basierte Basissoftware festlegt, die in Anwendungen mit besonderen Anforderungen bzgl. Funktionaler Sicherheit (ISO26262 mit zugeh\u00f6rigen ASIL-Level) zum Einsatz kommen.<\/p>\n<h2>Einfl\u00fcsse von Fremdsoftware auf die Basis-SW<\/h2>\n<p>In den vorhergehenden Abschnitten sind wir auf einen wesentlichen Aspekt der Software f\u00fcr zuk\u00fcnftige Fahrzeugrechner noch nicht eingegangen. Wer erstellt eigentlich die Software f\u00fcr die \u00b5-Prozessor-basierten Fahrzeugrechner?<\/p>\n<p>Wie bereits oben erw\u00e4hnt steigt der Umfang der in den Fahrzeugrechnern realisierten Software um mehrere Zehnerpotenzen den Umfang der \u00b5-Controller-Software.<\/p>\n<p>Bei letzterer entwickelt in der Regel der Tier-1-Zulieferer die Software f\u00fcr die entsprechende Hardware. Dabei kommen auch zugekaufte Teile, wie Automotive-spezifische Realzeit-Betriebssysteme und Basis-SW-Stacks (z.B. AUTOSAR f\u00fcr \u00b5-Controller), zum Einsatz. Auch OEMs stellen eigenen Funktionalit\u00e4ten bei, die in die finale Software integriert werden. Im Prinzip gilt hierbei, dass alle Softwareanteile direkt aus der Automobilindustrie und ihren Zulieferern stammen und somit mit den besonderen Anforderungen bzgl. Funktionaler Sicherheit vertraut sind.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Zulieferer wie Bosch sind zudem in der Lage, Komplettsysteme aus einer Hand zu entwickeln und zu liefern, also mit einer Entwicklungstiefe von 100%: das Realzeitbetriebssystem von der Bosch-Tochter ETAS, die Basis-SW als Inhouse-L\u00f6sung einer Querschnittsabteilung f\u00fcr SW (auch am Markt \u00fcber ETAS vertrieben) und die Anwendungssoftware durch den beauftragten Gesch\u00e4ftsbereich.<\/p>\n<p>Diese Situation \u00e4ndert sich grundlegend beim Einsatz von \u00b5-Prozessoren. Zum einen werden POSIX-konforme Betriebssysteme eingesetzt, die nicht durch deterministische Realzeitbetriebssysteme realisiert werden. Des Weiteren werden auf Fahrzeugrechnern Hypervisoren verwendet, um Virtualisierungsans\u00e4tze zur Separierung von Anwendungen mit unterschiedlichen ASIL-Levels auf einem Rechner zu erm\u00f6glichen. Sowohl die POSIX-Betriebssysteme als auch die Hypervisoren kommen nicht von klassischen Automobilzulieferern. Das Marksegment dieser Softwarearten befindet sich aktuell in rasanter Entwicklung. Umso wichtiger ist es, dass die auf diesen Systemen aufbauenden Automotive-spezifischen L\u00f6sungen ausreichend gekapselt werden. Eine durchg\u00e4ngige Schichtenarchitektur f\u00fcr Fahrzeugrechner-Software wird zwingend erforderlich.<\/p>\n<p>Abb.\u00a0<em>4<\/em>\u00a0(s.\u00a0<a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>) zeigt die Schichtenarchitektur des sogenannten Vehicle Run-Time Environment (VRTE), welches in zuk\u00fcnftigen Fahrzeugrechnern verwendet wird. Die f\u00fcnf Ebenen des VRTE stellen sukzessive Kapselungen<\/p>\n<ol>\n<li>der HW-abh\u00e4ngigen Software,<\/li>\n<li>der Betriebssystem-spezifischen Software<\/li>\n<li>der verwendeten Kommunikationskan\u00e4le (Abstraktion von CAN, FlexRay, Ethernet etc.)<\/li>\n<li>Computer-spezifische Dienste (z.B. Rechnerdiagnose) und<\/li>\n<li>Fahrzeug-spezifische Dienste, die es auf heutigen \u00b5-Controller ECUs nicht gibt (z.B. Life-Cycle Management).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Es ist hierbei anzumerken, dass die abgebildete Software keine monolithische Struktur darstellt, sondern ein System aus unterschiedlichen Softwarekomponenten unterschiedlichster Hersteller ist, die in einem gemeinsamen Framework integriert und f\u00fcr die Automobilindustrie seriengeh\u00e4rtet wird.<\/p>\n<p>Besondere Herausforderungen ergeben sich dabei f\u00fcr die Software-Integration und deren Absicherung, da neben nicht quelloffenen &#8222;3rd Party&#8220; Komponenten auch Open Source Software (z.B. in verwendeten Betriebssystemen) eingesetzt werden m\u00fcssen. Auch diese Aspekte m\u00fcssen im Entwurf der SW-Architekturen ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<h2>Einfl\u00fcsse unterschiedlicher Arten von Software<\/h2>\n<p>In dem bisher Gesagten wurde stillschweigend davon ausgegangen, dass sich bei allem Komplexit\u00e4tszuwachs, den die neuen Fahrzeugrechner mit sich bringen, an der eigentlichen Entwicklungsmethodik der Software-Ingenieure und Informatiker nichts \u00e4ndern wird. Die Realit\u00e4t sieht jedoch v\u00f6llig anders aus.<\/p>\n<p>Die Software f\u00fcr &#8222;Deeply Embedded ECUs&#8220; ist durch die in Abb.\u00a0<em>5<\/em>\u00a0(s.\u00a0<a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>) unten links angegebenen Elemente charakterisiert. Insbesondere ist zu erw\u00e4hnen, dass die Entwicklungsprozesse stark durch das in der Automobilindustrie etablierte V-Model und Automotive SPICE (ASPICE) gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n<p>Mit den Fahrzeugrechnern werden neue Softwarearten eingef\u00fchrt. Neben Betriebssystemen, die aus der IT-Welt stammen, kommen andere Programmiersprachen und Programmierparadigmen in die Automobilindustrie. Die klassische Lastenheft-getriebene, V-Model-basierte Entwicklungsmethodik trifft nun auf die agile, durch DevOps getriebene Entwicklungsans\u00e4tze, die aus dem Umfeld der Internetentwicklungsplattformen kommen. In Abb.\u00a0<em>5<\/em>\u00a0wird deutlich, dass die Fahrzeugrechner softwareseitig eine deutlich st\u00e4rkere \u00dcberlappung mit den IT-Softwaremethoden besitzen. Zus\u00e4tzlich dr\u00e4ngen zunehmend Anwendungen aus den Smartphone-Eco-Systemen ins Fahrzeug (Abb.\u00a0<em>5<\/em>\u00a0unten rechts).<\/p>\n<p>Zusammen mit dem in Abb.\u00a0<em>3<\/em>\u00a0dargestelltem Trend zu Cross-Dom\u00e4nen-Architekturen ergibt sich die Notwendigkeit, SW-Architekturen \u00fcbergreifend \u00fcber unterschiedliche SW-Plattformen und Zielsysteme konsistent zu beschreiben und zu pflegen. Hier liegt eine besondere Herausforderung f\u00fcr die Automobilindustrie, deren Produkte im Vergleich zu den schnelllebigen Consumerprodukten der IT-Welt deutlich l\u00e4ngere Lebenszyklen durchlaufen und in der Regel deutlich h\u00f6here Anforderungen hinsichtlich Sicherheit erf\u00fcllen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Als Konsequenz des Gesagten ergibt sich, dass die Automobilindustrie eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Anzahl an Informatikern mit einer Vielzahl unterschiedlicher Softwaref\u00e4higkeiten ben\u00f6tigt, und das zus\u00e4tzlich zu den bereits vorhandenen Ingenieuren der regelungsbasierten embedded Welt.<\/p>\n<h2>Bedeutung der Funktionalen Sicherheit und IT-Sicherheit<\/h2>\n<p>In den vorherigen Abschnitten wurde ein wichtiger Themenkomplex und Architekturtreiber nur am Rande ber\u00fchrt &#8211; die Kombination aus Funktionaler Sicherheit und IT-Sicherheit. (Die englische Sprache unterscheidet den Sicherheitsbegriff deutlich besser durch die Worte Safety und Security.) Die Kombination dieser Anforderungen ist nach unserem Wissen in keinem anderen Industriezweig so ausgepr\u00e4gt. Selbst in der Luftfahrt sowie auch im Schienenverkehr stellt sich eine andere Situation dar. In beiden genannten Industriezweigen besitzt nur geschultes Personal (z.B. Piloten, Lokf\u00fchrer, etc.) Zugang zu den zentralen Systemen der Fortbewegungsmittel. Im privaten PKW-Umfeld hat jedoch jeder Autobesitzer im Prinzip den physikalischen Zugang zu den Systemen. Des Weiteren ergibt sich durch die zunehmenden Connectivity-L\u00f6sungen und Cloud-basierten Dienste eine gr\u00f6\u00dfer werdende Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr Hacker.<\/p>\n<p>Hiermit erh\u00f6ht sich deutlich die Gefahr f\u00fcr einen unberechtigten Zugang in die Computersysteme des Fahrzeuges, die es durch geeignete Security-Ma\u00dfnahmen abzuwehren gilt.<\/p>\n<p>Auch die L\u00f6sungsans\u00e4tze zur Funktionalen Sicherheit sehen in der Luftfahrt und im Schienenverkehr anders aus als im PKW-Sektor. Aufgrund der vergleichsweise geringen Volumina an Flugzeugen und Schienenfahrzeugen und einem deutlich geringeren Commodity-Druck kommen in den erstgenannten Bereichen teilweise komplett redundante Systeme zum Einsatz. Au\u00dferdem werden Flugzeuge und Schienenfahrzeuge mit einer deutlich h\u00f6heren Frequenz auf m\u00f6gliche Fehler \u00fcberpr\u00fcft als PKW. Diesem Aspekt m\u00fcssen SW-Architekturen durch entsprechende Safety- und Sicherheits-Konzepte Rechnung tragen.<\/p>\n<p>Bei Fahrzeugrechnern mit Applikationen unterschiedlicher ASIL-Level ist eine Separierung bzw. Virtualisierung der Anwendungsdom\u00e4nen unter Verwendung von Hypervisor-Technologien erforderlich. Dabei nimmt der Hypervisor eine zentrale Rolle im SW-System ein, da er die Hoheit \u00fcber Rechnerressourcen besitzt, deren Allokation zu den unterschiedlichen Anwendungsfunktionen sicherstellt und diese \u00fcberwacht.<\/p>\n<p>Mit dieser zentralen Position des Hypervisors im System ergibt sich eine weitere zentrale Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr SW-Hacker. Aus diesem Grund m\u00fcssen eingesetzte Hypervisoren in besonderem Ma\u00dfe auf potentielle Security-L\u00fccken \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<h2>SW-Architekturtreiber und ihre Dokumentation<\/h2>\n<p>In den vorhergehenden Abschnitten haben wir eine Reihe von SW-Architekturtreibern beschrieben, die mit der Einf\u00fchrung der Fahrzeugrechner massiv an Bedeutung gewinnen. Mit der steigenden Komplexit\u00e4t und \u00d6ffnung der SW-Systeme muss ein viel h\u00f6heres Gewicht auf wohldurchdachte und mit allen relevanten Stakeholdern abgestimmte SW-Architekturen gelegt werden.<\/p>\n<p>Die Fokussierung auf rein funktionalen SW-Aspekte ist bei weitem nicht ausreichend. Abb.\u00a0<em>6<\/em>\u00a0(s.\u00a0<a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>) gibt eine \u00dcbersicht der wesentlichen dom\u00e4nenunabh\u00e4ngigen Architekturtreiber f\u00fcr \u00b5-Prozessor-basierte Fahrzeugrechner.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Architekturentwurfes muss sichergestellt werden, dass die nicht-funktionalen Treiber ausreichend ber\u00fccksichtigt und nachvollziehbar dokumentiert werden. Insbesondere in einem zunehmend heterogenen und komplexer werdenden SW-Umfeld ist ein verst\u00e4rkter Fokus auf SW-Architekturen von entscheidender Bedeutung. Ein Startpunkt f\u00fcr den Architekturentwurf bietet der als arc42 bekannte Ansatz, welcher eine Strukturierungshilfe f\u00fcr SW-Architekturen darstellt und folgende Kapitel bzw. Architektursichten umfasst:<\/p>\n<ol start=\"1\" type=\"1\">\n<li><strong>Einf\u00fchrung und Ziele:<\/strong><br \/>\nWichtige Einflussfaktoren bzw. Kr\u00e4fte, die auf die SW-Architektur einwirken. Insbesondere sind die Gesch\u00e4ftsziele zu benennen, die einen wesentlichen Einfluss auf die SW-Architektur haben.<\/li>\n<li><strong>Randbedingungen:<\/strong><br \/>\nTechnische und organisatorische Randbedingungen, Konventionen, Tools, Stakeholder etc.<\/li>\n<li><strong>Kontextabgrenzung:<\/strong><br \/>\nFachlicher und technischer Kontext, externe Schnittstellen etc.<\/li>\n<li><strong>L\u00f6sungsstrategie:<\/strong><br \/>\n\u00dcberblick \u00fcber Architektur-relevante, grundlegende Entscheidungen und L\u00f6sungsans\u00e4tze (z.B. Verwendung zugekaufter SW versus eigener Programmierung)<\/li>\n<li><strong>Komponentensicht (Bausteinsicht):<\/strong><br \/>\n\u00dcberblicksbild der ersten Ebenen (hierarchisch) des zu entwerfenden Systems, inkl. Zusammenh\u00e4nge und Abh\u00e4ngigkeiten der Bausteine untereinander<\/li>\n<li><strong>Dynamische Laufzeitsicht:<\/strong><br \/>\nBeschreibung (z.B. als Laufzeitszenarien inklusive Latenzzeiten) der Bausteine, wie sie sich w\u00e4hrend der Laufzeit verhalten (d.h. Prozesse, Tasks, Aktivit\u00e4ten, Interruptaufrufe etc.).<\/li>\n<li><strong>Verteilungssicht:<\/strong><br \/>\nOberste Ebene von Hardware und technischer Infrastruktur mit der Beschreibung, wo welche Teilfunktion abzulaufen hat. Dies ist besonders wichtig f\u00fcr verteilte Anwendungen, z.B. SW-L\u00f6sungen, die nicht auf einen Prozessor beschr\u00e4nkt sind (Multi-Prozessorl\u00f6sungen, Connectivity-L\u00f6sungen, Zuordnung zu unterschiedlichen virtuellen Maschinen etc.)<\/li>\n<li><strong>Querschnittliche Konzepte<\/strong>:<br \/>\nUmfangreicher Abschnitt, der technische Konzepte beschreibt (z.B. Ablaufsteuerung, Fehlerbehandlung, Logging, Parallelisierung, Bedienoberfl\u00e4chen (UX) und vieles mehr)<\/li>\n<li><strong>Entwurfsentscheidungen:<\/strong><br \/>\nWesentliche Entwurfsentscheidungen mit Gr\u00fcnden<\/li>\n<li><strong>Qualit\u00e4tsszenarien:<\/strong><br \/>\nBeschreibung von Grenz- bzw. Stressszenarien und dem erwarteten Verhalten des Systems (z.B. unter definiert hoher Belastung von Kommunikationsbussen)<\/li>\n<li><strong>Risiken und technische Schulden<\/strong><br \/>\nDokumentiert Risiken aus SW-Architektursicht, die z.B. auch in das Risikomanagement des Projekts \u00fcbernommen werden m\u00fcssen<\/li>\n<li><strong>Glossar<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>In der praktischen Umsetzung der Architekturbeschreibung ist es eine gro\u00dfe Herausforderung, die unterschiedlichen Sichten aktuell und konsistent zu halten, da diese oft \u00fcber mehrere Dokumente und Tools verteilt erstellt werden. Aus diesem Grund wurde in Bosch eine entsprechendes arc42-Profile f\u00fcr das SW-Architekturtool Rhapsody der Firma IBM erstellt. Das Rhapsody-Profile unterst\u00fctzt Architekten im Entwurf und Pflege konsistenter Architekturen und ihren Sichten.<\/p>\n<p>Das Profil stellen wir als Beigabe &#8222;as it is&#8220; der SW-Architekten-Community auf den arc42 Internetseiten\u00a0<a title=\"IBM Rhapsody\" href=\"https:\/\/arc42.org\/download#ibm-rhapsody-format\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/arc42.org\/download#ibm-rhapsody-format<\/a>\u00a0zum Download zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h2>Zusammenfassung<\/h2>\n<p>In den vorhergehenden Kapiteln sind wir auf die disruptiven \u00c4nderungen in der SW-Entwicklung der Automobilindustrie eingegangen. Mit dem Einzug von \u00b5-Prozessor-basierten Rechnerplattformen im Fahrzeug findet eine Leistungsexplosion hinsichtlich Speicher, Rechenleistung und Konnektivit\u00e4t statt, die v\u00f6llig neue L\u00f6sungsr\u00e4ume f\u00fcr bisher nicht betrachtete Problemstellungen bietet.<\/p>\n<p>Diese Leistungsexplosion geht einher mit<\/p>\n<ul>\n<li>einem extremen Anstieg der SW-Komplexit\u00e4t hinsichtlich unterschiedlicher Arten von SW,<\/li>\n<li>unterschiedlicher aufeinandertreffender Entwicklungsmethodiken,<\/li>\n<li>bei einem gleichzeitigen Anstieg der beteiligten Softwarelieferanten,<\/li>\n<li>deren SW-Komponenten in Fahrzeugrechnern integriert werden m\u00fcssen und<\/li>\n<li>dabei Anforderungen zur Funktionalen Sicherheit und Security abdecken.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Situation kann nur mit einem starken Fokus auf SW-Architekturen und deren relevante Architektursichten beherrscht werden. Dies ist die Herausforderung, der sich die gesamte Automobilindustrie aktuell stellt.<\/p>\n<h2>Abk\u00fcrzungsverzeichnis<\/h2>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">HW<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Hardware<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">SW<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Software<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">ECU<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Electronic Control Unit (Elektronisches Steuerger\u00e4t)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">OEM<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Original Equipment Manufacturer (in unserem Kontext die Automobilhersteller)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">SOP<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Start of Production<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">kDMIPS<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">&#8222;kilo Dhrystone Million Instructions Per Second&#8220;: auf Ganzzahlarithmetik aufbauender Benchmark zum Vergleich von Rechnerleistungen<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">AI<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Artificial Intelligence oder auch K\u00fcnstliche Intelligenz<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">GPU<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Graphical Processor Unit, die als Prozessorplattform f\u00fcr AI-Algorithmen genutzt wird<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">ESP<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Electronic Stability Program<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">ASPICE<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Automotive SPICE: Aus dem ISO Standard ISO\/IEC 15504 (SPICE) abgeleitetes Automotive-spezifisches Reifegradmodel zur Bewertung der Steuerger\u00e4teentwicklung in der Automobilindustrie<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">POSIX<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Portable Operating System Interface: Ein Satz von IEEE Standards der Application Programming Interface (API) f\u00fcr POSIX kompatible Betriesbssysteme definiert<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"75\">\n<p class=\"Default\">arc42<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"490\">\n<p class=\"Default\">Frei verf\u00fcgbarer Strukturierungsansatz f\u00fcr Architekturen<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Literaturverzeichnis<\/h2>\n<p>[1] Conway, Melvin E. (1968):\u00a0<a href=\"https:\/\/standards.ieee.org\/develop\/wg\/POSIX.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">How do committees invent?<\/a><\/p>\n<p>[2] IEEE Standards Association:\u00a0<a href=\"https:\/\/standards.ieee.org\/develop\/wg\/POSIX.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">POSIX \u2013 Austin Joint Working Group<\/a><\/p>\n<p>[3] Dr. Gernot Starke, Dr. Peter Hruschka:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.arc42.de\/template\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">arc42 Ressourcen f\u00fcr Softwarearchitekten<\/a><\/p>\n<h2>Autoren<\/h2>\n<p><strong>Dr.-Ing. Detlef Zerfowski (Vice President, Robert Bosch GmbH):<\/strong><\/p>\n<p>Nach seiner Promotion in der Informatik (TH Karlsruhe) im Bereich medizinischer Signalverarbeitung wechselte Herr Zerfowski zur Robert Bosch GmbH. Seine 18-j\u00e4hrige Automotive-Erfahrung deckt die Embedded SW-Entwicklung in verschiedenen Dom\u00e4nen (Body Electronics, Bremssysteme, Park-Assistenten) ab.<\/p>\n<p>Von 2009-2012 baute Herr Zerfowski f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsbereich Automotive Electronic einen Entwicklungsbereich in Indien auf. Anschlie\u00dfend \u00fcbernahm er als Managing Director die Leitung des 100% Bosch-Tochterunternehmens ETAS Automotive India Prv. Ltd.<\/p>\n<p>Seit M\u00e4rz 2015 ist Herr Zerfowski im Corporate Sector Automotive System Integration f\u00fcr die strategische Ausrichtung der Software-Themen im Automotive-Bereich der Firma Bosch verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>Niranjan SK (Senior SW Architect and Product Manager, Robert Bosch GmbH)<\/strong><\/p>\n<p>Nach seinem Studium in Instrumentation Technology an der VTU University, India, wechselte Herr Niranjan SK in 2005 zu Robert Bosch Engineering and Business Solution Prv. Ltd. India (RBEI). F\u00fcr 12 Jahre sammelte Erfahrung in der embedded SW-Entwicklung, insbesondere im Themenkomplex AUTOSAR und dessen Anwendung in den unterschiedlichen Anwendungsdom\u00e4nen. Von 2013-2015 war Herr Niranjan SK Product Manager f\u00fcr AUTOSAR Produkte aus dem Haus Bosch. Seit M\u00e4rz 2016 arbeitet er im Corporate Sector Automotive System Integration und arbeitet an der unternehmensweiten Etablierung von SW Architekturvorgehensweisen.<\/p>\n<p><a title=\"Fachinfo_ESE_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/fachinfo_ese_automotive-sw-architekturen-bosch-zerfowski.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Beitrag als PDF downloaden<\/strong><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h2>Automotive &#8211; unsere Trainings &amp; Coachings<\/h2>\n<p><strong>Wollen Sie sich auf den aktuellen Stand der Technik bringen?<\/strong><\/p>\n<p>Dann informieren Sie sich\u00a0<a title=\"MicroConsult Training\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/alle-trainings-termine-komplettuebersicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>hier<\/strong>\u00a0<\/a>zu Schulungen\/ Seminaren\/ Trainings\/ Workshops und individuellen Coachings von MircoConsult zum Thema\u00a0Automotive\/ Embedded- und Echtzeit-Softwareentwicklung.<\/p>\n<p><strong>Training &amp; Coaching zu den weiteren Themen unseren Portfolios finden Sie\u00a0<a title=\"Training &amp; Beratung - alle Themen\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/training-beratung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<h2>Automotive &#8211; Fachwissen<\/h2>\n<p>Wertvolles Fachwissen zum Thema Automotive \/Embedded- und Echtzeit-Softwareentwicklung steht\u00a0<a title=\"Embedded- und Echtzeit-Softwareentwicklung\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/embedded-und-echtzeit-softwareentwicklung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>hier\u00a0<\/strong><\/a>f\u00fcr Sie zum kostenfreien Download bereit.<\/p>\n<p><a title=\"Embedded- und Echtzeit-Softwareentwicklung\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/embedded-und-echtzeit-softwareentwicklung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Zu den Fachinformationen<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Fachwissen zu weiteren Themen unseren Portfolios finden Sie <a title=\"MicroConsult Fachwissen\" href=\"https:\/\/www.microconsult.de\/fachwissen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie neue SW-Technologien die Automobilindustrie ver\u00e4ndern Autoren: Dr.-Ing. 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